Affinity Photo App für’s iPad | Test & Überblick


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Mit der iPad-Version von Affinity Photo kommt erstmalig eine App auf den Markt, die vollwertige Desktop-Bildbearbeitungsprogramme ersetzen können soll.

Wie gut das wirklich funktioniert, erfährst du in diesem Test und Überblick über einige der Haupt-Funktionen der App.



Wie übersichtlich ist die Bedienungsweise der App?

Wenn man die App das erste mal öffnet, kann man sich von den vielen verschiedenen Symbolen erst einmal schnell erschlagen fühlen. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, denn es lohnt sich, sich die App einmal genauer anzuschauen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fotobearbeitungsapps, ermöglicht Affinity Photo nämlich nicht nur einfache Anpassungen wie z.B. Helligkeit, Sättigung oder Kontrast.

Die iPad-App von Affinity Photo versucht tatsächlich fast sämtliche Inhalte seines gleichnamigen bereits sehr erfolgreichen Desktop-Programms auf das Tablet zu bringen.

Das führt zu einem riesigen Funktionsumfang, den ich so bisher bei noch keiner anderen App gesehen habe. Das bedeutet automatisch aber auch eine komplexere Bedienungsweise der Affinity Photo App, an die man sich erst einmal gewöhnen muss.

Trotzdem kann man jetzt nicht sagen, dass die Entwickler der App einfach nur stumpf die Desktop-Version des Programms auf das iPad kopiert hätten. Man merkt, dass die Entwickler tatsächlich versuchen, eine möglichst sinnvolle und einfache Bedienung über den Touch-Bildschirm zu ermöglichen.

Der Fragezeichen-Button

Eine große Hilfe ist dabei beispielsweise der Fragezeichen-Button am unteren rechten Bildschirmrand. Wenn man ihn gedrückt hält, bekommt man zu jedem Symbol auf dem Bildschirm eine kurze Erläuterung angezeigt, welche Funktion sich hinter diesem Symbol verbirgt. Wenn man bereits mit der Desktop-Version von Affinity Photo oder Photoshop gearbeitet hat, wird man sich in der App somit relativ schnell zurecht finden können.

Tutorial-Videos

Um den Start noch weiter zu vereinfachen, sind in die App außerdem noch einige Tutorial-Videos integriert, zu denen man direkt über die Start-Seite der App gelangt. Darin wird einem meiner Meinung nach relativ kompakt und hilfreich erklärt, wie man verschiedene Funktionen der App benutzt. Die Videos stehen allerdings leider nur in englischer Sprache zur Verfügung.


Was kann man mit der App alles machen?

Je nachdem auf welche Art man sein Foto bearbeiten möchte, verfügt die App über verschiedene Arbeitsbereiche oder auch Bearbeitungsmodi. Man findet diese am oberen Bildschirmrand und kann einfach per Tap zwischen den verschiedenen Arbeitsbereichen hin und her schalten.

„Entwickeln“-Modus

Eine der wichtigsten Umgebungen, ist der Entwickeln-Modus. Dabei handelt es sich im Grunde um einen Fotoentwickler, wie man ihn z.B. aus Lightroom kennt. Über Schieberegler kann man hier schnell und einfach Veränderungen am gesamten Foto bewirken, indem man z.B. Kontrast, Sättigung oder Helligkeit verändert. Es können aber auch ganz gezielt nur bestimmte Bereiche im Foto angepasst werden, indem man Verläufe über bestimmte Bildbereiche zieht, oder einfach den Bereich den man anpassen möchte mit dem Pinsel auswählt und anschließend die gewünschten Veränderungen über die Schieberegler vornimmt.

Dieser direkte und einfache Aufbau macht den Entwickeln-Modus relativ leicht verständlich. Wenn du bereits andere Fotobearbeitungsapps oder sogar Lightroom benutzt hast, wirst du dich hier schnell zurecht finden.

Allerdings hat der Entwickeln-Modus auch einen Nachteil. Bevor man nämlich in einen anderen Bearbeitungmodus wechseln oder das Programm schließen kann, muss das Foto „entwickelt“ werden. Das bedeutet, dass alle vorgenommenen Anpassungen quasi in das Bild eingebrannt werden. Eine spätere gezielte Rückgängigmachung oder Nachjustierung der bereits vorgenommenen Änderungen ist dann nicht mehr möglich. Klar, man kann zu jeder Zeit wieder in den Entwickeln-Modus wechseln. Aber alle Schieberegler stehen dann halt wieder im Ausgangsbereich, sodass man nicht mehr sehen kann, wo man welche Änderungen vorgenommen hatte.


„Foto“-Modus

Dieses Problem kann man aber mit dem nächsten Bearbeitungsmodus umgehen. Dieser nennt sich ganz einfach „Foto“-Modus ist ist quasi das Herzstück von Affinity Photo.

Der Foto-Modus bietet noch weit mehr Möglichkeiten als der Entwickeln-Modus, ist aber auch um einiges komplexer.

Werkzeuge

Am linken Bildschirmrand werden unterschiedliche Werkzeuge eingeblendet. Hierüber kann man z.B. den Beschnitt des Bildes verändern, Malpinsel auswählen oder Text hinzufügen.

Das mächtigste Werkzeug ist aber wahrscheinlich das „Restaurieren“-Tool. Hiermit kann man einfach über die Objekte im Foto malen, die man gerne entfernen möchte, und das Programm errechnet ganz von alleine womit dieser Bereich gefüllt werden soll.

Studios

Am rechten Bildschirmrand befinden sich die sogenannten Studios. Die erfüllen je nachdem um was für ein „Studio“ sich handelt ganz unterschiedlich Zwecke. Das macht es meiner Meinung nach auch etwas schwer zu definieren, was überhaupt der Unterschied zwischen Werkzeugen und Studios ist.

Möchte man z.B. mit einem Pinsel auf dem Bild malen, wählt man am LINKEN Bildschirmrand zunächst das Pinselwerkzeug aus. Über das Pinsel-Studio wählt man dann am RECHTEN Bildschirmrand eine Textur bzw. Pinselspitze aus. Man bedient also ein Werkzeug über zwei Schaltflächen an zwei vollkommen verschiedenen Stellen. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen…

Ebenen und Auswahlbereiche

Ein Grundbestandteil des Foto-Modus sind die Ebenen, die man im Ebenen-Studio findet. Wenn du bereits die Desktop-Version von Affinity Photo oder Photoshop genutzt hast, weißt du sicher was das ist. Durch die Nutzung von Ebenen sind der kreativen Freiheit eigentlich keine Grenzen gesetzt. Über sie kannst du Bildmontagen erstellen und ganz gezielt Veränderungen an bestimmten Bildelementen vornehmen.

Um bestimmte Bildbereiche auszuwählen oder auszuschneiden benutzt man dann den Auswahlbereichs-Modus. Das Werkzeug erkennt dabei selbst die Kontrastgrenzen im Foto, sodass Bereichsauswahlen in wenigen Sekunden präzise vorgenommen werden können. Selbst komplizierte Auswahlen z.B. um Haare herum sind relativ einfach möglich und werden vom Programm größtenteils selbst errechnet.

Anpassungen, Filter

Die Veränderungen an der Auswahl selbst macht man dann z.B. über das Studio für Anpassungen oder das Studio für Filter. Auch hier kann es vor allem Anfangs meiner Meinung nach etwas verwirrend sein zu verstehen, was überhaupt der Unterschied zwischen diesen zwei Studios ist und wie diese eingesetzt werden bzw. funktionieren. Vor allem sollte man aber die Arbeitsweise mit Ebenen beherrschen, da vor allem die Filter nur im Zusammenspiel mit Ebenen funktionieren.

Über das Anpassungs-Studio kann man zum großen Teil vor allem grundlegende Veränderungen am Foto vornehmen, ähnlich wie auch schon im Entwickeln-Modus. Im Gegensatz zum Entwickeln-Modus hat man aber hier den Vorteil, dass jede Anpassung auf einer neuen Anpassungsebene vorgenommen wird. Das heißt man kann die Anpassung jederzeit wieder verändern oder ganz einfach löschen.

Bei den Filtern hat man noch viel mehr Möglichkeiten: Einstellungen an der Bildschärfe, Bildverzerrungen, aber auch Farbanpassungen ähnlich wie auch schon im Anpassungs-Studio sind über die Filter möglich.

Klingt etwas verwirrend? Ist es auch!

Noch verwirrender wird es aber, wenn es darum geht wie die Filter angewendet werden. Diese werden nämlich nicht wie beim Anpassungsstudio automatisch auf einer neuen Ebene erstellt. Sie werden sofort auf das Bild angewendet, sodass die Änderung nicht mehr so einfach rückgängig gemacht werden kann. Das kann man nur umgehen, indem man aus dem normalen Filter über einen Button einen Live-Filter erstellt. Dann wird dieser Live-Filter im Dropdown-Menü unter der Pixelebene auf die man den Filter angewendet hat angezeigt, und kann den Filter somit jederzeit wieder anpassen. Darauf muss man aber erst einmal kommen.


Fazit

Man muss sich schon ein bisschen mit dem Programm beschäftigen, wenn man es wirklich produktiv nutzen möchte. Ein Desktop-Bildbearbeitungsprogramm wird es für mich persönlich erst einmal nicht ersetzen können. Wenn man sich darauf aber einlässt, bietet einem die App eigentlich alles, was man sich von einem vollwertigen Bildbearbeitungsprogramm wünschen kann und Möglichkeiten, die man so bei keiner anderen App findet. Vor allem unterwegs kann man somit immer ein superkompaktes Arbeitsgerät zum Bearbeiten seiner Fotos dabei haben.

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